Begonnen hat meine Tragegeschichte im April 2013: Ich war im 8. Monat schwanger und habe mit meinem Mann den Säuglingspflegekurs unserer Hebammen besucht. Dort wurde eine Tragehilfe und auch das Tragetuch kurz erklärt und gezeigt. Danach stand fest: Tragen, das wollten wir probieren! Dem Tragetuch stand ich zwar erst noch etwas skeptisch gegenüber, da mir hat die Tragehilfe mehr zugesagt hat (Kind ist augenscheinlichschneller und sicherer drin). Mein Mann meinte aber, dass das Tragen im Tragetuch natürlicher ausschaut, also habe ich zu Hause mit Hilfe von Dr. Google unser erstes Tragetuch bestellt: ein Didymos Namens "Till" der Größe 7. Laut Hersteller soll man die Größe nehmen, die der größte Tragende braucht und da Trageweise Wickelkreuztrage bei meinem Mann es verlangte, nahmen wir diese Größe. Gespannt warteten wir auf die Lieferung. Als das Paket dann kam, schauten wir uns erst einmal die Anleitung an und dann versuchte ich mich - natürlich noch schwanger - im Binden. Eingebunden wurde ein Winnie Pooh, der etwas kleiner ist als ein Baby. Diese Kombination aus Winnie Pooh und Tragetuch, welches mir viel zu lang war, trug ich dann bis zum Ende der Schwangerschaft immer mal wieder mit mir rum. Auch mein Mann band unseren Trage-Versuchs-Teddy öfter ein, um ein Gefühl dafür zu bekommen und sicherer zu werden. Als Ende Juni dann unsere Tochter zur Welt kam, fuhren wir sie die ersten Tage viel im Kinderwagen spazieren. Nach ein paar Tagen wagte mein Mann das Experiment "Babytragen im Tragetuch". Durch die anfängliche Unsicherheit (so ein Kuscheltier ist doch um einiges toleranter als ein Neugeborenes) und nachdem wir alle schweißgebadet waren, war nach etwas Prostestgeweine des Babys nach ein paar Versuchen das Experiment geglückt. Zwar war sie da erstmal noch nicht ganz zufrieden, aber mit etwas Übung und langsamer Steigerung der Tragedauer hat sie sich recht schnell daran gewöhnt und wir auch. Nachdem wir dann im Tragen in Haus und Garten recht sicher waren, gings auf zum 1. Spaziergang im Tragetuch und voilà, sie schlief sehr schnell ein. Ab da gingen wir einmal täglich mit ihr im Tragetuch spazieren. Meist trug sie der Papa, der total begeistert war, auch was für unsere Erstgeborene tun zu können, um sie zu beruhigen, denn wenn sie tagsüber von einer Schreiattacke gepackt wurde, war das Tuch das Mittel der Wahl, um ihr die benötigte Sicherheit und Nähe zu geben.

Als sie dann 3 Monate alt war, waren wir mit ihr in Reit im Winkl beim Wandern. Einer hatte den Rucksack mit Verpflegung,  der andere den Tragling und nach der Mittagspause haben wir getauscht. Sie hat anfangs neugierig geschaut, hat sich dann hergekuschelt und kurze Zeit später geschlafen. Einziger Nachteil: Als wir dann fix und alle zurück kamen, war sie topfit und wollte bespaßt werden. 

Als sie 8 Monate war, habe ich das erste Mal eine Trageberatung in Anspruch genommen, da sie mir mit ihren mittlerweile fast 10 kg zu schwer war für die Wickelkreuztrage und ich mir andere Tragemöglichkeiten zeigen lassen wollte und/oder meine geschenkt bekommene Manduca richtig einstellen lassen wollte. Durch diese Trageberatung habe ich festgestellt, dass ich es viel zu locker gebunden hatte. Ich habe sie dann weiterhin in der - jetzt gut gebundenen - Wickelkreuztrage getragen oder in der Manduca auf dem Rücken. Als sie 1 1/4 war, habe ich die zweite Trageberatung in Anspruch genommen und mir daraufhin nach etlichen Tragehilfen-Tests die Buzzidil XL angeschafft. In der habe ich sie dann aber nur noch ca. 5 Mal getragen, da ich dann einerseits schwanger wurde und mir da das Tragen auf längere Zeit unangenehm wurde und sie andererseits lieber laufen wollte als getragen zu werden (soviel zu: Du verwöhnst sie so sehr, dass du sie tragen musst, bis sie auszieht).

Im August 2015 kam dann Baby Nr. 2 zur Welt und für uns stand fest: wir tragen! Diesmal schon mit mehr Erfahrung haben wir ihn dann eingebunden und sind mit beiden los. Für die Große und für Einkäufe kam der Buggy sicherheitshalber noch mit. Als dann meine Schonfrist vorbei war und mein Mann wieder arbeiten ging, war es zwar - wie für alle - erstmal eine große Umstellung, plötzlich mit zwei Kindern allein zu sein. Aber da der Kleine anfangs noch sehr viel schlief, war er im Tragetuch am Besten aufgehoben. So konnte ich mit beiden zum Spielplatz, die Große auf der Schaukel anschubsen und der Kleine war mit dabei und hat die Große nicht "gestört". Mittlerweile krabbelt der Kleine schon recht viel, aber wenn wir unterwegs sind, ist ihm das Tragetuch das liebste Transportmittel. Auch wenn er in einem Schub ist, ist Tragen das allerbeste Mittel zur Beruhigung.

Manchmal ist es, als würde man einen Schalter umlegen: er brüllt sich die Seele aus dem Leib, ich binde mir das Tuch oder die Tragehilfe um, setze ihn rein, binde fertig und er ist ruhig. Sobald ich mich dann in Bewegung setze dauert es keine 5 Minuten und er schläft angekuschelt ein. Ich bin immer wieder erstaunt über die Fähigkeit des Tragens!

Da ich selbst so überzeugt war und bin vom Tragen, habe ich im Internet recherchiert, wie ich denn anderen Eltern helfen könnte, selbst in den Genuss des Tragens zu kommen. Im März 2016 habe ich dann den Grundkurs der Trageschule Hamburg besucht und seit diesem Kurs darf ich mich offiziell Trageberaterin nennen. Theoretisch hätte ich es auch schon vorher dürfen, aber ich brauche für mich die Sicherheit, dass ich auch wirklich richtig helfen kann und keinen Quatsch erzähle! Die Prüfung habe ich im April abgelegt und seit 26.05.2016 darf ich den Titel "geprüfte Trageberaterin der Trageschule Hamburg (TSHH)" tragen.

Schon sehr schwanger mit Baby Nr. 3 habe ich im Dezember 2017 einen Tragehilfen-Workshop bei die Trageschule besucht, um den Markt der Tragehilfen besser im Blick zu haben.

Das Baby kam dann im Februar 2018 zur Welt und liebt sowohl tragen als auch den Kinderwagen. Da ich tragen viel praktischer finde (fast kein Platzverlust im Auto, ich muss auch keinen Kinderwagen ins Auto oder aus dem Auto wuchten), kommt der Kinderwagen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Lieber schlafen tut er somit auch in Tragehilfe oder -tuch. Wahrscheinlich auch aus Gewohnheit.

Um meine Kenntnise bzgl. Tragen zu vertiefen und auch bereits erlerntes zu wiederholen, um evtl. eingeschlichene Unstimmigkeiten zu klären, habe ich im Februar 2019 am Aufbaukurs bei die Trageschule teilgenommen.

Ich hoffe, ich konnte dich hierdurch dem Tragen etwas näherbringen und dir mich auch vorstellen. Wenn du noch Fragen hast oder - noch besser - hierdurch auf den Geschmack des Tragens gekommen bist, freue ich mich, wenn du dich bei mir meldest!